Chillida-Bänke vor Verkauf
Oberbürgermeister droht mit „Aufstand“

Münster -

Das Chillida-Kunstwerk im Rathausinnenhof ist vom Verkauf bedroht. Die Portigon AG – Nachfolger der in Abwicklung befindlichen WestLB, der die Skulptur gehörte – betonte am Freitag, dass der gesamte Besitz der WestLB veräußert werden solle. Oberbürgermeister Lewe und seine Vorgänger sind entsetzt.

Samstag, 22.11.2014, 07:11 Uhr

„Toleranz durch Dialog“ heißt die Skulptur, die seit 1993 im Rathausinnenhof steht. Künstler Eduardo Chillida schuf sie genau für diesen Standort. Die Stadt gestaltete den Platz damals extra für das Kunstwerk um.
„Toleranz durch Dialog“ heißt die Skulptur, die seit 1993 im Rathausinnenhof steht. Künstler Eduardo Chillida schuf sie genau für diesen Standort. Die Stadt gestaltete den Platz damals extra für das Kunstwerk um. Foto: Oliver Werner

Die Tage des Kunstwerks „Toleranz durch Dialog“ von Eduardo Chillida im Rathausinnenhof sind womöglich gezählt. Nach der Versteigerung von zwei Warhol-Gemälden durch das Land NRW mehren sich die Anzeichen, dass auch die Chillida-Bänke unter den Hammer kommen könnten. Oberbürgermeister Markus Lewe , aber auch seine Amtsvorgänger Jörg Twenhöven und Marion Tüns zeigten sich am Freitag entsetzt.

Die Skulptur ist an den Rathausinnenhof gefesselt. Sie muss dort bleiben.

Jörg Twenhöven, ehemaliger Oberbürgermeister

1993 hatte Chillida die Skulptur extra für den Rathausinnenhof entworfen. Die WestLB kaufte das Kunstwerk an und stellte es Münster anlässlich des 1200-jährigen Stadtjubiläums als Dauerleihgabe zur Verfügung. Mittlerweile befindet sich die WestLB in der Abwicklung, Rechtsnachfolger ist die Portigon AG – eine hundertprozentige Tochter des Landes NRW. Eine Sprecherin des Unternehmens betonte am Freitag gegenüber unserer Zeitung, dass „jedes Asset“ (also der gesamte Besitz der früheren WestLB) „auf dem Prüfstand steht und am Ende einer Veräußerung zugeführt werden soll“.

Preis kann in die Millionen gehen

Dies würde bedeuten, dass die Chillida-Bänke abgebaut und verkauft werden – „zum höchstmöglichen Preis“, so die Sprecherin. Und der dürfte auf dem derzeit aufgeheizten Kunstmarkt in die Millionen gehen. Zugleich betont sie, dass eine Entscheidung über den Verkauf der Chillida-Skulptur noch nicht gefallen sei. „Innerhalb der nächsten Wochen oder Monate“ werde noch nichts passieren.

Die Landesregierung will sich einem möglichen Verkauf jedenfalls nicht in den Weg stellen. „Finanzminister Walter-Borjans hat immer gesagt, dass die Portigon AG über eine Veräußerung ihrer Kunstwerke allein entscheidet“, so das Finanzministerium. Man könne einem Unternehmen, das auf Dauer vom Markt genommen wird, nicht verbieten, seine Aktiva in Form von Kunstwerken anzutasten.

„Das wird einen Aufstand geben“

Mit den Worten „Das wird einen Aufstand geben“ reagierte Oberbürgermeister Markus Lewe auf mögliche Verkaufsabsichten durch die Portigon AG. „Ich werde mich persönlich auf die Bank setzen, bei einem Verkauf würde in die Identität der Stadt eingegriffen“, da das Kunstwerk eng mit dem Friedenssaal verbunden sei. Eine Veräußerung werde er sich „nicht bieten lassen“.

Für seine Amtsvorgängerin Marion Tüns gehört die Skulptur einfach zur Stadt, für ihren Vorgänger Jörg Twenhöven ist ein Verkauf „nicht vorstellbar“. Ohne den Platz sei die Skulptur nichts wert, „das wäre nur Eisen“, so Twenhöven. Er drohte am Freitag mit einem Prozess und zeigte sich sicher, dass Münster gegen die Portigon AG gewinnen werde.

Bereits der Verkauf von zwei Warhol-Gemälden durch das Land vor zwei Wochen sei ein „Tabubruch“ gewesen, so Landtagsabgeordneter Thomas Sternberg (CDU). Er appelliert an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, den Ausverkauf weiterer Kunstwerke umgehend mit einem Machtwort zu stoppen.

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