Vierbeiner im Kindergarten Ein Kita-Hund darf bleiben

Münster -

Seitdem ein Hund in einer Kinderhauser Kita ein Kind ins Gesicht gebissen hat, ist die Diskussion um die Duldung von Hunden in Kitas und Schulen entbrannt. Im Bonifatius-Kindergarten gehört Therapiehund Klio seit neun Jahren zum Team. Die Kinder lieben den Labrador heiß und innig.

Von Karin Völker
Labradorhündin Klio ist im Bonifatius-Kindergarten heiß geliebt. Klio hat eine Ausbildung als Therapiehund und ist die Sanftmut selbst, heißt es. Foto: Oliver Werner

Mittwochmorgen im Kindergarten St. Bonifatius: Klio begrüßt aufs Herzlichste zwei ihrer kleinen Freunde, die gerade gebracht werden. Die beiden sind überwältigt: Klio wird umarmt, gedrückt, gestreichelt. Kein Zweifel, es gibt kaum jemandem im ganzen Kindergarten, der so beliebt wäre. Klio geht schon mehr als neun Jahre täglich in die Bonifatius-Kita, an der Seite von ihrer Besitzerin, Kita-Leiterin Hedwig Kovar.

Trotz Klios unbestreitbarer Beliebtheit muss Kovar in diesen Tagen häufiger über Hunde in Kindergärten diskutieren, seitdem bekannt wurde, dass der Hund einer Kollegin in Kinderhaus ein Kind ins Gesicht gebissen hat. Diskussionen stehen ihr, so vermutet Kovar, nun auch mit den Eltern der Kinder aus dem Dreifaltigkeitskindergarten in der Nachbarschaft bevor. Mit dem soll die Kita St. Bonifatius fusionieren – Kovar soll auch Leiterin der fusionierten Einrichtung werden. Selbstverständlich mit Klio, deren Kita-Engagement sogar in einem Beschluss des Kirchenvorstandes der Gemeinde Heilig Kreuz verankert ist.

Die neuneinhalb Jahre alte Labradorhündin hat eine lange Therapiehund-Ausbildung hinter sich. Zwei Jahre Einzel- und Gruppentraining, drei Kurseinheiten zur Steinfurter Therapiebegleithund Methode mit Hedwig Kovar, bezahlt vom Förderverein des Kindergartens. Therapiehund Klio ist ein Ausbund an Sanftmut.

Hunde an Schulen

Auch in Münsters Schule n sind Hunde zu finden. Eine besondere Genehmigung ist dafür laut Schulaufsicht nicht notwendig.

Dass manche Eltern Vorbehalte gegen einen Hund im Kindergarten haben, kann Kovar durchaus verstehen. Sie will Überzeugungsarbeit leisten und erzählt davon, welche positiven Auswirkungen Klios Anwesenheit auf das Sozialverhalten der Kinder hat. „Das Aufwachsen mit einem Tier stärkt die emotionale Intelligenz, erzieht zu Rücksichtnahme“, erklärt die Kita-Leiterin. Und: Nonverbale Kommunikation, also Körpersprache, lasse sich ideal im Austausch mit einem Hund lernen.

In der Bonifatius-Kita gebe es in der Elternschaft keinerlei Widerstand gegen Klio, betont Kovar – im Gegenteil: „Viele Eltern entscheiden sich für uns wegen des Hundes.“ Kovar sagt aber auch: Klios bisher absolut zuverlässiges und tadellos friedfertiges Verhalten könne keine Garantie dafür sein, dass der Hund nicht doch einmal ungehalten reagieren könnte. Bisher hat Kovar aber nur kleine Bissverletzungen bei Kindern kurieren müssen, die nicht von Hundezähnen stammen. „Kleine Kinder beißen auch manchmal bei Altersgenossen schmerzhaft zu“, sagt Kovar.

Sie hat Sorgen, dass sich nach dem Vorfall in Kinderhaus die Meinung prinzipiell gegen Hunde in Kindergärten wenden könnte. „Es wäre falsch, jetzt das Kind mit Bade auszuschütten.“

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